(UBI) Bereits im Januar dieses Jahres stimmte uns Luzia zur nächsten Klassenzusammenkunft ein, welche wie angekündigt in Tarasp im Engadin stattfinden soll. Jedem/jeder, der/die in Rorschacherberg zwischen Mittelstufe und Real/Sekundarschule zur Schule ging, dürfte dieser Ort,wo sich das Ferienheim der Gemeinde Rorschacherberg befindet, aus einem Ski- oder Wanderlager in bester Erinnerung sein.
Die meisten reisen mit dem Zug an, wenige auch mit dem Pw. Bei (noch) schönem Wetter treffen sich alle an der Bushaltestelle. Bereits nach wenigen Schritten lässt Luzia die Katze aus dem Sack. Also, im Klartext: Zur Überraschung aller Anwesenden schleppte sie im Rucksack Sekt, einen selbstkreierten Saft aus pürierten Früchten mit Orangensaft und einige Snacks für einen Begrüssungs-Apéro mit. Einfach toll. Dazu profitieren wir von einigen interessanten, historischen und geografischen Informationen, welche Luzia speziell für diesen Anlass zusammengetragen hat.
Ein kleiner Rundblick:

vor dem Restaurant mit Schloss Tarasp im Hintergrund
Nach dem tollen Mittagessen fällt leider Regen. Unsere Wege trennen sich etwas. Eine Gruppe wandert zum Schloss Tarasp zu einer einstündigen Führung, andere treten den Heimweg in alle Richtungen an. So auch der Schreibende, der dem Wetter vertraute und Regenjacke/Schirm vertrauensvoll im Auto liegen liess.
Danke, Luzia, für Dein Engagement und den gelungenen Anlass.
Fotos von Jutta Floria, Luzia Hefti und Urs Bischofberger
Informationen zu Tarasp und seinem Schloss
(zusammengetragen aus verschiedenen Quellen von Luzia)
Tarasp – «terra aspera»
Der Name Tarasp setzt sich aus den lateinischen Wörtern «terra» und «aspera», also Erde
und herb/ rau zusammen. Was darauf hinweisen dürfte, dass das Schloss Tarasp beim
Bau inmitten eines Rodungsgebietes lag. Die erste Erwähnung des
Namens reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück, als die Herren von Tarasp am
Standort des heutigen Schlosses die ersten Festungsanlagen errichteten und
bewohnten.
Geschichtlicher Einblick Von 1040 bis heute
Als Wahrzeichen des Unterengadins überblickt das Schloss Tarasp in
Graubünden majestätisch die Region. Imposant ist es in die umliegende Bergwelt
mit der intakten Naturlandschaft sowie dem herzigen Dorf Tarasp eingebettet. Im
Innern erwartet einen eine geschichtliche Reise in die Vergangenheit kombiniert
mit moderner Kunst.
Kurzporträt Tarasp
Tarasp – die
Highlights
Schloss Tarasp
– Wahrzeichen
des Unterengadins
Lai Nair – malerischer Bergsee mitten in einer
Moorlandschaft
Mineralwasser
– Mineralquellen
in einzigartiger Zusammensetzung und Vielzahl
Kurgeschichte
– Jugendstilbauten
und reiche Tourismusgeschichte
Dorfstruktur –
ein Ferienort
mit zehn Siedlungen
Val Plavna – unvergleichbares Erlebnis ganz
naturgemacht
Tarasp in
Zahlen
Fläche: 4690 ha
Einwohner: 216
Höchster
Punkt: 3173 m ü. M.
(Piz Pisoc)
Tiefster
Punkt: 1179 m ü. M.
(Ischla)
Politische
Lage: Gemeinde Scuol,
Regiun Engiadina Bassa/ Val Müstair
Siedlungen: Aschèra, Avrona, Chants, Chaposch,
Florins, Fontana, Sgnè, Sparsels, Vallatscha, Vulpera
Tarasp ist die
einzige Ortschaft im Unterengadin, die gesamthaft auf der rechten Innseite
liegt. Wir haben eine einzigartige Dorfstruktur mit den zehn kleinen Siedlungen
Aschèra, Avrona, Chants, Chaposch, Florins, Fontana, Sgnè, Sparsels,
Vallatscha und Vulpera, welche der Fraktion einen sehr speziellen Charakter
verleihen.
Das Schloss
Tarasp, im Jahre 1040 aus strategischen Gründen erbaut.
Napoleon hat
Tarasp im Jahre 1803 der Helvetischen Republik überlassen. Noch im selben Jahr wurde
Tarasp in den Kanton Graubünden integriert, welcher zu diesem Zeitpunkt
schliesslich ein formell schweizerischer Kanton wurde. Vorher war das Gebiet
der heutigen Fraktion Tarasp aus strategischen Gründen eine
Enklave der Habsburger. Diese Vergangenheit zeigt sich noch heute in der
Konfession. Tarasp ist die einzige Unterengadiner Ortschaft, deren Einwohner
mehrheitlich katholisch sind.
Die berühmten Mineralquellen
Lucius, Emerita, Bonifatius und Carola sorgten
bereits ab den
1860er-Jahren für die touristische Entwicklung der Region. Weltbekannte Persönlichkeiten
reisten für Trink- und Badekuren an. Die grossen Kurhotels – Kurhaus Tarasp
(heute Scuol Palace), Hotel Schweizerhof und das im Jahre 1989 leider niedergebrannte
Hotel Waldhaus in Vulpera – wurden in der Zeit zwischen 1875 und 1910 erbaut.
Seit den 1960er-Jahren hat die moderne Medizin und Pharmakologie das Interesse
an den Kuren kontinuierlich reduziert. Die Trinkkuren waren nicht mehr gefragt.
Die grossen Hotels richteten sich auf Sport- und Freizeit- Aktivitäten aus und
sprachen damit andere Gästegruppen an.
Im Jahre 1955
wurde in Scuol die erste Seilbahn auf die Motta Naluns gebaut, womit ein
neuer touristischer Aufschwung eingeleitet wurde. Die Anlagen sind aus der
Region nicht mehr wegzudenken.
Heute leben
wir in Tarasp fast aus- schliesslich vom Tourismus. Hinzu gesellen sich eine
funktionierende Landwirtschaft und ein wenig Kleingewerbe. Die im
Jahre 2010 eröffnete Innbrücke
nach Tarasp hat einen erfreulichen Anstieg der Einwohner- und Schülerzahlen
bewirkt. Die Schüler besuchen die erste bis sechste Klasse in Tarasp, die Oberstufe ist seit
dem Jahre 1969 in Scuol integriert.
Kunst und Handwerk
Trotz der
relativ kleinen Einwohnerzahl gibt es in Tarasp einige eigenständige
Handwerks- und Kunsthandwerkbetriebe. Nebst einer Schreinerei und einem
Malergeschäft müssen sich die Kunstschaffenden in Tarasp nicht verstecken. Das Atelier vom
Kunstmaler Rudolf Glaser befindet sich in Fontana. Seine Bilder können an
Ausstellungen betrachtet werden und er bietet auch Kurse an. In Sgnè gibt es
ein kleines und charmantes Kunstatelier. Wer auf der Suche nach einem etwas
anderen «Kunstsouvenir» ist, wird sicher in Erichs Brocki in Vulpera fündig. Darüber hinaus
betreut die Fundaziun Pro Terra Engiadina das Projekt der Instandstellung und
nachhaltigen Nutzung der Mühle Tarasp. Das Projekt basiert auf drei Säulen: Ökologie,
Gesellschaft und Wirtschaft. Von der Wiederinstandstellung und der Nutzung der
Mühle (einzige elektrisch betriebene Getreidemühle in der Region) für das Mahlen
des in der Region produzierten Getreides können Natur, Bevölkerung und Gäste
profitieren. Die lokalen Land- wirte helfen engagiert mit, diese Ziele zu
erreichen.
Rumantsch Vallader
Wie im ganzen
Unterengadin wird auch in Tarasp vorwiegend romanisch gesprochen. Genauer
gesagt «Vallader», welches zusammen mit dem Oberengadiner «Puter» und dem
«Jauer» (Val Müstair) das Rumantsch Ladin (Engadiner Romanisch) bildet. Etwa 35
Prozent der Einwohner sind Romanisch sprechend. Als fester Bestandteil der
regionalen Kultur begegnet man dem Rumantsch nicht nur in Liedern und Büchern,
sondern auch überall auf der Strasse und in der Schule. Bis Ende der zweiten
Primarklasse ist das Romanische noch die einzige Unterrichtssprache. Danach
wird als erste «Fremdsprache» Deutsch gelernt. Obwohl alle Tarasper Deutsch
sprechen, freut man sich über ein «allegra» oder «bun di», sollte es auch nicht
ganz perfekt aus- gesprochen sein.
Schloss Tarasp
Das Wahrzeichen des Unterengadins
Mit dem
Schloss Tarasp verhält es sich ein wenig wie mit dem berühmten «Kirchlein von Wassen». Beide Bauten sind Wahrzeichen für ihre Täler, beide erblickt man diverse
Male, wenn man sich im entsprechenden Tal bewegt. Dass man das imposante
Schloss in Tarasp sieht, ist klar. Doch selbst vom Flüelapass aus lässt sich
ein Blick darauf werfen, der optischen Täuschung sei es gedankt, dass es dann
so aussieht, als erhebe sich das Schloss über Ardez. Von Ftan aus erscheint der
Bau ein wenig wie ein Spielzeugschloss, weil es sich vor dem Berghang duckt,
imposant wirkt es dann aber wieder von der Engadinerstrasse aus.
Für die
einzigartige Standortwahl zeichneten sich die Herren von Tarasp verantwortlich.
Aus der Gegend des Comersees ins Engadin gezogen, liessen sie die Burg in der
ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf dem rund 100 Meter hohen Schlosshügel
bauen. Bereits 1239 gelangte die Festung an den Grafen von Tirol und wurde
durch Reformation und Glaubenskriege Zeuge und Austragungsort diverser
kriegerischer Auseinandersetzungen.
Ab 1464 wurde
Tarasp eine habsburgische Grafschaft und im Laufe des 16. Jahrhunderts bauten
die Besitzer die Anlage zur heutigen Grösse aus. Doch diese erwies sich nicht
nur als Pracht, sondern auch als Last, denn 1803 schlug Napoleon das Schloss
der helvetischen Republik zu. Der junge Kanton Graubünden sah sich
ausserstande, für den Unterhalt aufzukommen und verkaufte das Schloss an einen
Privatmann aus Scuol.
Danach
wechselte das Schloss viele Male die Hände, erlebte Plünderungen und die
Demontage der hölzernen Bauteile durch die Bevölkerung, die damit ihre Öfen
beschickten.
Erst 1900 ging
es mit dem Schloss bergauf. Der Dresdner Industrielle Dr. Karl August Lingner,
der Erfinder von «Odol», kam zu einem Kuraufenthalt nach Vulpera. Er entschied, die zerfallenen
Festung für 20'000 Franken zu kaufen und zu renovieren. Bei der Restauration
scheute er weder Kosten noch Mühen. Aus Patrizierhäusern und Edelhöfen aus der
umliegenden Region wurden alte Vertäferungen, Öfen und Mobiliar erworben und
verhalfen so dem Schloss zu neuer Pracht. Auch die Gartenanlage wertete er auf
und pflanzte 1000 Bäume, gleichzeitig liess er aber auch eine Strasse anlegen,
damit er sein Auto etwas ausfahren konnte, denn in Graubünden war zu dieser
Zeit das Automobil noch verboten.
Im Juni 1916 liess
Lingner, in der früheren Waffenkammer, die nun das Musikzimmer des Schlosses
ist, eine Dresdner Jehmlich-Orgel einbauen. Heute gilt diese als grösste Orgel
in europäischem Privatbesitz. Im selben Jahr hätte das Schloss feierlich und in
grossem Rahmen eingeweiht werden sollen, jedoch verstarb Lingner am 5. Juni völlig
unerwartet, ohne den prunkvollen Bau je fertig gesehen zu haben.
Nach seinem
Tod fiel das Schloss der Familie von Hessen zu, welche es 100 Jahre pflegte.
Nach mehrjährigen Verhandlungen mit der Stiftung Chastè da Tarasp und der
Gemeinde wurde der Eigentumswechsel im März 2016 besiegelt und das Schloss ist
wieder in Schweizer Händen.
Der neueste
Besitzer, der weltbekannte Künstler Not Vital aus Sent, hat eine neue Ära in
der über 1000-jährigen Geschichte des Schlosses eingeläutet. Mittels zeitgenössischer
Kunst in und ums Schloss herum hat Not Vital das Schloss zu einer
Kulturattraktion von nationaler und internationaler Bedeutung weiterentwickelt.
Auffällig sind beispielsweise die glänzende Kugel «der Mond» auf dem Lai da
Tarasp oder der 13 Meter hohe Turm «House to watch the sunset». Das Schloss
Tarasp ist weiterhin öffentlich zugänglich.
Es finden regelmässig Schlossführungen statt, im Sommer teilweise mehrmals
täglich. Orgelkonzerte auf der klangvollen Holzorgel mit 3000 Pfeifen schallen
immer wieder – im Sommer und Winter – durch das Gemäuer und begeistern die
Besucher*innen nachhaltig.


















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